Archiv für Januar 2012

Made in Malaysia?! Oder: Die Härte mit den Weichmachern.

Freitag, 13. Januar 2012

Soviel ist bekannt: Das Varianten-Sammeln verdankt sich hauptsächlich den verschiedenen Produktionsjahren und den Produktionsstätten in unterschiedlichen Ländern: Taiwan, Malaysia, Hong Kong, Frankreich, Spanien, USA und Mexiko.

Zudem gibt es Varianten auch aufgrund der Lizenzvergabe von Mattel an verschiedene Firmen in bestimmten Ländern: Argentinien (Top Toys), Brasilien (Estrella), Mexiko (Los Amos), Indien (Leo Toys) und USA (Wonder Bread).

Je nach Land bzw. Lizenz haben manche Figuren, Kreaturen etc. unterschiedliche äußere Qualitäten, auf welche besonders Varianten-Sammler wert legen (z.B. was die Paintings betrifft). Doch unterscheiden sich die Figuren auch ihren inneren Qualitäten nach. Und deswegen ist dieses Thema ebenso für den Nicht-Varianten-Sammler ein wichtiges Thema.

Die inneren Qualitäten sind besonders von der Frage nach Weichmachern betroffen. Fleckende, schwitzende bzw. klebende Figuren an Kopf oder Beinen geraten dabei in den Fokus der Aufmerksamkeit und sind für Sammler keine Seltenheit. In den einschlägigen Internet-Foren gelten die Figuren aus Malaysia als die Schwitz-Kandidaten schlechthin – was in der Mehrheit auch so zutreffen dürfte. Malaysische Figuren haben überdies von allen die schwächsten Beingummis.

Aber der Reihe nach.

Fakt 1: Alle Figuren können Weichermacher-Probleme haben!

Nicht nur die malaysischen Figuren, sondern auch Figuren aus allen Herstellungsländern können mit austretendem Weichmacher zu kämpfen haben – so gesehen z.B. bei Taiwan und Mexiko. Das liegt vermutlich in der Natur der Sache: Kunststoffe enthalten i.d.R. nun einmal Weichmacherzusätze (sog. Phthalate), die im Laufe ihrer Alterung ihre molukulare Verbindungen mit dem Plastik aufgeben. D.h. im Ergebnis: Schwitzende Arme, Beine und Köpfe. Sicherlich entscheidet auch die Lagerung (Temparatur, UV-Licht, Feuchtigkeit usw.) darüber, wie lange eine Figur ihren ursprünglichen Zustand beibehält.

Fakt 2: Figuren aus Malaysia zeigen die typischen Weichermacher-Verfleckungen!

Als ziemlich sicher dürfte es gelten, dass ausschließlich die Figuren aus Malaysia unter ‚Fleckenfieber‘ leiden. Erstaunlicherweise sind dabei immer nur die Arme und Beine und manchmal auch der Kopf betroffen. Der Rumpf und die Zubehörteile bleiben i.d.R. unversehrt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass für die unterschiedlichen Körper- und Zubehörteile auch unterschiedliche Kunststoffmischungen verwendet wurden, um verschiedene ‚Härtegrade‘ zu erzielen. Die unterschiedlichen Kunststoffarten an ein und der selben Figur sind manchmal bereits mit bloßem Auge sichtbar. Nicht zuletzt lassen sie sich aber auch ertasten.

Einschränkend muss hier gesagt werden, dass nicht alle Figuren eine eindeutige Länderkennzeichnung haben. Jedoch stammen verfleckte Figuren aller Wahrscheinlichkeit nach aus Malaysia. Ein Hinweis über die Herkunft solcher Figuren gibt manchmal das Zubehörteil: Wenn die Länderkennzeichnung der Waffe ‚Malaysia‘ trägt und man sicher ist, dass die Waffe genau zu dieser einen Figur gehört, dann stammt höchstwahrscheinlich die gesamte Figur aus Malaysia.

Fakt 3: Schwitzende Figuren bekommt man ‚trocken‘!

Schwitzende Arme und Beine sind kein Schicksal! Man kann und sollte sie behandeln! Sehr gute Erfahrungen mache ich seit geraumer Zeit mit dem Universalöl von Ballistol.

Allerdings gibt es auch hier wieder einen Haken: Figuren, die nach außen hin schwitzen, schwitzen mit ziemlicher Sicherheit auch nach innen (z.B. Köpfe, Schultergelenke der Arme). Einen schwitzenden Arm kann ich von seinem Schultergelenk abziehen und behandeln. Aber einen schwitzenden Kopf im Inneren mit Pflegemitteln zu bearbeiten, dürfte ein ziemliches Ding der Unmöglichkeit sein, wenn ich ihn nicht vom Rumpf abziehen und nicht Gefahr laufen will, ihn zu beschädigen. Die Zeit wird zeigen, ob die rein äußerliche Anwendung hier genügt oder ob der Kopf über die Jahre von innen nach außen ‚durchgammeln‘ wird.

Mit klassischen Silikonsprays – wie es in manchen Foren angepriesen wird – habe ich keine Erfahrungen; ebenso wenig mit säurehaltigen Mitteln (Essig- oder Citrusreiniger). Da wäre ich eher vorsichtig.

Fakt 4: Flecken können nicht entfernt werden!

Eine einmal verfleckte Figur trägt ihr ‚Tatoo‘ wahrscheinlich ein Leben lang. Die Verfärbung ist Bestandteil des Materials geworden und kann deswegen nicht entfernt werden. Und inwieweit die Behandlung mit Kunststoff-Pflegemitteln, Balistol oder anderen Mitteln einer Verfleckung vorbeugen kann, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl auch noch nicht klar.

Das sind in diesem Zusammenhang wohl die beiden schlechten Nachrichten. Aber es gibt vielleicht auch zwei gute – nämlich in Form zweier Vermutungen bzw. Hypothesen.

Hypothese 1: Manche Figuren aus Malaysia sind gegen ‚Fleckenfieber‘ besonders widerstandsfähig als andere!

Warum das so ist, weiß vielleicht nur der Geist von Castle Grayskull. Jedenfalls: Im Umkehrschluss könnte das auch bedeuten, dass möglicherweise manche Figuren in besonderer Weise betroffen sind. Hier eine vorläufige Auflistung.

Vermutlich gegen ‚Fleckenfieber‘ besonders widerstandsfähige Figuren aus Malaysia:

:: Mer Man

:: Webstor

:: King Hiss

:: Trap Jaw

:: Beast Man

:: …

Hypothese 2: Fleckende Figuren stammen aus einem bestimmtem Herstellungsjahr!

Aus welchem Jahr, bleibt dabei ungewiss. Jedenfalls scheint nur so erklärbar zu sein – neben der Art und Weise der Lagerung – , warum der eine He-Man aus Malaysia ‚fleckt‘ und der andere eben nicht. Das gleiche gilt natürlich auf für alle anderen Charaktere.

Wenn man optimistisch sein möchte, dann haben sich vielleicht alle ‚Fleck-Kandidaten‘ bereits offenbart. D.h. dass malaysische Figuren, die bis jetzt keine Verfleckungen aufweisen, auch in Zukunft nicht zu flecken beginnen. Letztlich wird die Zeit hier für Klärung sorgen. Oder auch nicht: „Die Zeit ist es. Unerforschlich verschließt sie vor uns, was uns lieb ist.“